Künstlicher Boom auf dem Immobilienmarkt
Zweitklassige Immobilienkredite, so genannte Subprime Mortgages, sind der Auslöser für das Elend. Der Grund ist ein anderer: Viele Amerikaner haben jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt. Einige haben teils mehrere Hypotheken auf die Immobilien aufgenommen. Hypothekenanleihen, die mit Subprime-Krediten unterlegt sind, bergen zwar eine höhere Rendite, aber auch ein höheres Kursrisiko als normale Hypothekenanleihen.
Schon in der Clinton-Ära versuchte die Regierung, für mehr Wohneigentum zu sorgen. Jeder US-Bürger sollte sein eigenes Häusle besitzen. Doch der Verwirklichung dieses Plans stand die damalige Kreditvergabepraxis der Banken im Weg. Durch Druck aus Washington haben zunächst die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac seit Anfang der 90er Jahre ihre rigide Kreditpolitik aufgegeben, haben Hypothekenverträge mit nur dreiprozentiger Einlagensicherheit feilgeboten und schließlich auch welche ganz ohne Depotanforderungen.
Die Banken überboten sich darin, sogenannte Ninja-Kredite (No income, no job or assets) zu vergeben, an Menschen ohne Job, ohne Einkommen, ohne Eigenkapital. Die Folge war ein künstlicher Boom und ein starker Anstieg der Preise auf dem Immobilienmarkt. Parallel weiteten auch die anderen US-Banken ihre Kreditvolumina drastisch aus. Eigens zu diesem Zweck wurden die Subprime Mortgages mit anderen Papieren vermischt und weltweit verstreut.
Als Ergebnis dieser fragwürdigen Praxis kursierten im Markt Hypothekenverschreibungen in gigantischer Größenordnung, deren Wert den der vorhandenen Immobilien um ein Vielfaches überstieg. „Einige Banken haben die Risiken nicht weitergegeben, sie waren überzeugt von den ewig steigenden Immobilienpreisen", sagt Singer. Als sich aber die Konjunkturdaten verschlechterten und die Zinsen stiegen, konnten viele Menschen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Die Blase platzte, die Nachfrage nach Immobilien ging zurück, die Preise fielen - Zwangsversteigerungen waren die logische Konsequenz.


